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„Geborgen wachsen“ von Susanne Mierau

Die letzten Wochen war ich mit dem Buch von Susanne Mierau „Geborgen wachsen – Wie Kinder glücklich groß werden“ beschäftigt. Ich habe bereits davor viel Gutes von diesem Buch gehört und so war ich schon sehr neugierig und freute mich sehr auf das Lesen.

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Verbunden von Anfang an
Im ersten Kapitel geht Susanne Mierau darauf ein, was Bindung eigentlich ist und wie sie zu Stande kommt bzw wie sie entsteht. Es wird die Bindung bzw. Stress in der Schwangerschaft und auch die unterschiedlichen Bindungsarten beschrieben. Dabei geht es nicht nur um die Bindung zwischen der Mama und ihrem Kind, sondern es wird auch auf das wichtige Thema der väterlichen Bindung und die Bindung der Geschwisterkinder eingegangen.

Geborgen gebären, geborgen ankommen
Im zweiten großen Kapitel geht Susanne Mierau auf das Loslassen in der Schwangerschaft ein und gibt Tipps für die Vorraussetzungen für eine geborgene Geburt – dabei wird auch kurz auf die hormonelle Umstellung eingegangen, welche beim Geburtserlebnis sehr wichtig ist. Auch die Väter und die Geschwisterkinder kommen in dem Kapitel wieder nicht zu kurz, was ich persönlich als sehr wichtig empfinde. Frau Mierau geht auch etwas ausführlicher darauf wenn, wenn die Geburt nicht „nach Plan“ verläuft, behandelt das Thema der Kaiserschnitt-Geburten und hat auch eine kleine Liste mit Punkten zur Hilfe der Verarbeitung der Geburt erstellt. Abschließend wird noch das erste Kennenlernen behandelt – auch hier war für mich persönlich wieder der Bezug auf die Geschwisterkinder sehr wichtig und in unserem Fall natürlich auch sehr hilfreich und aktuell.

Das Kind verstehen – Signale erkennen und bindungsorientiert beantworten
Dieses Kapitel ist vielleicht eines der am schwersten umsetzbaren Themen – vor allem beim ersten Kind.. Es wird, wie schon in der Überrschrift erwähnt, auf die Signale des Kindes eingegangen. Unterkapitel wie zuhören, beobachten und mit dem Baby sprechen sind hierbei essentiell. Susanne Mierau geht in dem Kapitel aber dann auch auf die älteren Kinder ein – wenn Kinder anderer Meinung sind als die Eltern und wie man mit solchen Konfliktsituationen umgehen kann.

Bindung findet im Alltag statt

„Es gibt keine direkte Anleitung für bindungsorientiertes Leben, keine Patentrezepte, die immer und sofort bei jedem Kind helfen. Es gibt nur die immer wieder bestehenden Aufgaben, feinfühlig zu sein, Empathie zu zeigen und versuchen zu verstehen, was das Kind warum möchte. Verständnis und Feinfühligkeit sind die Grundlagen der Erziehung – auch wenn wir den Bedürfnissen nicht immer nachkommen können.“*

In diesem Kapitel geht es um die alltäglichen Dinge – allen voran das Schlafen. Das Thema „Essen“ behandelt Susanne Mierau sehr ausgiebig und geht dabei immer auf „beide Seiten“ ein – also Stillen und Flaschennahrung, Brei und Fingerfood, ect. Sie gibt gute Ratschläge für ein harmonisches Miteinander am Esstisch und warum Zwang beim Essen absolut fehl am Platz ist. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Körperpflege. Wie verwenden sehr viel Zeit mit der gemeinsamen Körperpflege und sollten diese Zeit daher nicht als Selbstverständlich sehen, sondern zu schätzen lernen und vor allem sehr respektvoll dabei mit den Kindern umgehen. Abschließend wird noch das Thema Mobilität behandelt – Kinderwagen oder lieber tragen und warum das Kind dann doch alleine laufen möchte.

Verwöhnen, Grenzen setzen und das familiäre Umfeld

„Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet nicht Laissez-faire, denn es gibt wohlüberlegte Grenzen, die ihren Sinn haben. Die Grenzen, die wir festlegen, ergeben sich aus natürlichen Notwendigkeiten und können (und sollen) den Kindern gegenüber begründet werden.“*

Ein sehr kurzes Kapitel darüber, dass man Kinder mit Liebe nicht verwöhnen kann, es keine zu sichere Bindung gibt und über das Loslassen und gleichzeitig da sein – Wurzeln und Flügel schenken. Kurz wird auch auf Grenzen eingegangen und einige Überlegungen der Autorin selbst beschrieben. Weiters behandelt das Kapitel auch die Wichtigkeit anderer Bezugspersonen und wie man auf einen Nenner kommen kann. Auch das in der heutigen Gesellschaft große Thema „fordern oder fördern“ wird kurz und prägnant abgehandelt und auf die Wichtigkeit der Freiräume eingegangen. (Ich persönlich hätte mir dieses Kapitel etwas ausführlicher gewünscht *hihi*).

Glückliche Eltern, glückliche Kinder?
Das letzte Kapitel macht deutlich, wie wichtig jeder einzelnen in der Familie ist und dass das Glück voneinander abhängt. Es wird auch ganz deutlich hervorgehoben, dass wir als Eltern nicht perfekt sein müssen, sondern dass gut genug ausreichend ist – Kinder sogar davon profitieren. Auch die wichtige Zeit für sich selbst und auch die Zeit zu zweit mit dem Partner wird zum Schluss noch beschrieben. Ein wichtiges Thema für mich persönlich, mit dem ich regelmäßig zu kämpfen habe, ist das schlechte Gewissen, wenn es mal nicht so läuft. Susanne Mierau schafft es, sich selbst etwas Druck zu nehmen, manchmal das schlechte Gewissen als positive Anregung zu sehen und bei Dingen, die wir nicht ändern können, das schlechte Gewissen hinter sich zu lassen.

Schlusswort
Das Schlusswort fasst noch einmal die wichtigsten Punkte zusammen und macht noch einmal deutlich, dass es nicht den einen Weg der bindungsorientierten Elternschaft gibt, sondern dass jede Familie einen eigenen Weg finden muss, der eben zur Familie passt.

„Bleiben unsere Augen offen und unsere Herzen bereit, unseren Alltag immer wieder neu aus der Kinderperspektive zu betrachten, haben wir damit die einzige wirklich wichtigen Zutaten für ein geborgenes Aufwachsen gefunden.“*

*aus dem Buch „Geborgen wachsen – wie Kinder glücklich groß werden“ von Susanne Mierau

Mein persönliches Fazit
Grob zusammengefasst ist das Buch wie auch der gleichnamige Blog „geborgen wachsen“ von Susanne Mierau schlichtweg großartig. Ihr Buch liest sich sehr leicht und locker und gibt eine umfangreiche Basis zum Thema der bindungsorientieren Elternschaft wider. Das Buch richtet sich an alle, die in irgendeiner Form mit Kinder zu tun haben und behandelt alle wichtigen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten frühen Jahre der Kindheit. Susanne gibt mit ihrem Buch keine konkreten Vorschläge, wie bindungsorientierte Elternschaft auszusehen hat, sondern stellt das zu Grunde liegende Konzept dar – wie sich Bindung entwickelt und Kinder mit Hilfe einer sicheren Bindung zu den Eltern (oder anderen Bezugspersonen) zu selbstbewussten und glücklichen Erwachsenen heranreifen können.

Susanne ist es gelungen, ein Buch zu schreiben, welches die wichtigsten Themen aufgreift ohne dabei auszuarten oder um die Sache herum zu schreiben – alle Themen werden kurz und auf das Wesentliche begrenzt beschrieben. Für mich persönlich dürfte es an einigen Stellen ausführlicher sein, da ich sehr an der Thematik interessiert bin.

Allerdings muss ich auch erwähnen, dass sich manche Kapitel etwas „zu leicht“ lesen. Vor allem das Kapitel zum Thema „Schlaf“, welches ja durch *das erste Schlaf – Jahr des Tigers* ein Thema ist, welches mir immer wieder schwer im Magen liegt, hört sich sehr einfach an.. Schaffe dem Kind einen ruhigen und harmonischen Schlafplatz, gib ihm viel Liebe und das Kind wird schlafen. Klar ist das ein wesentlicher Bestandteil guten Schlafs, aber so einfach fühlt es sich aber in der Realität mit Kinder dann doch nicht an (das ist jetzt natürlich etwas überspitzt formuliert!).

Dennoch kann ich aber das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich mit seinen (oder anderen) Kindern auseinander setzen und den Weg gemeinsam mit den Kindern bindungsorientiert gehen möchte. Susanne ist mit diesem Buch sicherlich ein Meisterwerk zu diesem großes Thema gelungen und ich freue mich schon sehr auf ihr zweites Buch, welches gerade in Arbeit ist.

..für Erwachsene · ..schlafen · 25 - 27 Monate · Bedürfnisorientiert · Buchempfehlungen

Und tägliche grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 2

Vor über einem Monate habe ich euch im Zuge meiner kurzen Schlafserie über unsere Nächte erzählt:
Und täglich grüßt die Nachtigall..! Zum Schlaf – Teil 1

Momentan hat unser Tiger eine ganz intensive Mama-Phase und das wirkt sich auch immer auf unseren Schlaf aus! Mehrmals in der Nacht wird er wach und vergewissert sich, ob ich da bin – teilweise fragt er jede Stunde nach mir! Aber es reicht oft, wenn ich ihm dann antworte oder seine Hand nehme und er kann gleich wieder weiter schlafen. Manchmal muss er sich aber an mich kuscheln, um wieder in den Schlaf zu finden. Durch die fehlenden durchgehenden Schlafstunden ist unser Tiger aber tagsüber sehr müde und schafft es nicht über den Tag ohne Mittagsschlaf – also schläft er seit etwa zwei Wochen wieder jeden Tag etwa 2-3 Stunden am Nachmittag. Da unser Tiger nicht sonderlich viel Schlafstunden insgesamt braucht, geht er jetzt abends nicht vor 21:30 oder 22:00 Uhr ins Bett.

Und das ist auch in Ordnung so, doch es war ein langer Weg für mich, bis ich das so sagen und auch wirklich meinen konnte! Heute im zweiten Teil der kurzen Schlafserie möchte ich euch zwei Bücher vorstellen, die mich durch die schwierigen Schlafzeiten immer wieder begleitet haben und auch ein paar Gedanken dazu mit euch teilen.

Ich will bei euch schlafen! Ruhige Nächte für Eltern und Kinder
Sibylle Lüpold
Dieses Buch ist mir durch Zufall von einer Bekannten geborgt in die Hänge gefallen und durch noch größeren Zufall bei uns geblieben (unser Stubentiger hat es nachts etwas ramponiert und so musste ich ein neues Exemplar kaufen zum Zurückgeben). Anfangs habe ich mich etwas geärgert, doch es konnte nichts besseres passieren, als dass dieses Buch bei uns wohnen bleibt!

Zu kaufen gibt es das Buch *hier*.

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Das Buch ist in 5 große Kapitel, jeweils mit etlichen Unterkapiteln unterteilt – im Großen und Ganzen ist es sehr übersichtlich aufgeteilt.

1.) Vom Schlafen und Schreien
Im ersten Kapitel geht die Autorin grundsätzlich auf den Schlaf unserer Kinder ein, wie er sich von den Erwachsenen unterscheidet und warum oder deckt Fehleinschätzungen auf, wie „was durchschlafen bedeutet“. Es wird auch auf das Schreien der Kinder eingegangen und was es für das Kind bedeutet, wenn es schreien gelassen wird. Anschließend wird die Wichtigkeit des Körperkontakts für das Baby hervorgehoben und Vorteile für das Stillen erläutert. Dabei werden auch immer wieder Erfahrungsgeschichten unterschiedlicher Familien mit eingebunden und auch auf andere Kulturen wird im Vergleich immer wieder in Blick geworfen.

„Der Mensch ist ein biologisches Wesen. Das heißt, das Verhalten eines Babys wird nicht durch kulturelle Normen und Werte gesteuert, sondern durch seine natürlichen biologischen Bedürfnisse. Gerade in unserer zivilisierten Welt ist der erwachsene Mensch schon so sehr beeinflusst, dass er sich oft nicht mehr von seinen Instinkten, sonder von den gesellschaftlichen Vorstellungen leiten lässt. Dies führt zu einer logischen Diskrepanz zwischen den Fähigkeiten eines Säuglings und den Erwartungen seiner Eltern. Ein Baby schreit nicht, weil er verwöhnt oder unerzogen ist, sondern weil es nicht anders kann. […].“

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2.) Co-Sleeping
Wie der Buchtitel vermuten lässt, gibt es ein großes Kapitel zu dem Thema Co-Sleeping, also gemeinsames Schlafen. Die Autorin beschränkt sich dabei aber nicht auf das Familienbett, sondern jede Form des „gemeinsamen in einem Raum“ – Schlafens, auch z.B. Beistellbetten oder Kinderbetten im Schlafzimmer. Dabei wird natürlich auf die Vorzüge des Co-Sleeping für die Kinder wie auch für die Eltern eingegangen. Wichtige Themen wie der plötzliche Kindstod oder das Thema Partnerschaft und Sexualität werden mit eingebunden, ebenso wie wichtige Sicherheitsmaßnahmen erläutert. Es folgen auch wieder Erfahrungsberichte und der Vergleich mit anderen Kulturen.

„Kinder benötigen in den ersten Jahren besonders auch nachts die Nähe einer Bezugsperson. Durch die Dunkelheit werden Ängste und das Bedürfnis nach Geborgenheit noch viel intensiver. Wenn ein kleines Kind die Mutter nicht mehr fühlen oder sehen kann, existiert sie praktisch nicht mehr.“

3.) Begleitung in den Schlaf
In dem dritten Kapitel gibt es zuerst grundsätzlich eine kurze Erklärung, welche Faktoren (wie z.B. tagsüber eine liebevolle Behandlung und einen für das Kind passenden Rhythmus) zum sanfteren Einschlafen führen können – dabei wird aber immer wieder hervorgehoben, dass jedes Kind und alle Eltern anders ist und so jede Familie einen eigenen Weg finden muss. Anschließend werden sanfte Einschlafhilfen wie z.B. das Einschlafen an der Brust, dem Tragetuch, Massage, Schlaflieder, etc. erläutert und dabei auch immer wieder hervorgehoben, dass kein Kind durch sanfte Einschlafmethoden verwöhnt wird und dass auch diese Einschlafmethoden nicht immer den gewünschten Effekt bringen müssen/werden.

„Falls Ihr Kind auf gar keine Methode anspricht und sich einfach nicht beruhigen lässt, obwohl sie stundenlang mit ihm durch die Wohnung wandeln, dann nehmen Sie es doch in Ihre Arme und setzen oder legen sich bequem hin. Sprechen Sie ihm leise zu, streicheln Sie sein Köpfchen […]. Setzen Sie sich nicht unter großen Druck, indem Sie sich die Schuld für sein Verhalten geben und sich Vorwürfe machen! Sie sind in dem Moment bei ihm und halten es liebevoll – mehr können Eltern manchmal einfach nicht tun!“

Weiters wird auch ein sanfter Weg für das „Alleine einschlafen lernen“ beschrieben, wobei sich das über mehrere Wochen zieht und auch immer wieder deutlich gemacht wird, dass es im Tempo des Kindes passieren soll und nichts erzwungen werden darf.

4.) Vorsicht Schlaftraining
Die Autorin spricht sich in diesem Kapitel natürlich ganz klar gegen die Anwendung von Schlaftrainings aus und beschreibt auch deutlich, was in diesen Momenten mit dem Baby passiert – darauf möchte ich aber nicht näher eingehen.

5.) Was Experten zu Schlaftraining und Co-Sleeping sagen
Im letzten Teil dieses Buches melden sich Experten unterschiedlicher Gebiete (Schlafforscher, Kinderpsychologen, Therapeuten, Entwicklungspsychologen,etc.) in Form eines Interviews zu Wort. Dabei werden auch Fragen aufgegriffen, die Eltern häufig stellen (wie z.B. wie lernt mein Kind durchschlafen, etc.) und ausführlich beantwortet. Der rote Faden zieht sich hierbei natürlich dem Titel des Buches entsprechend hin zum bedürfnisorientiert Schlafen. Schlaftrainings oder Schreien lassen jeglicher Art wird von allen Experten abgelehnt.

 

Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigeren Nächten
Dr. Med. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau

Da das Buch sehr neu ist (März 2016 erschienen) gibt es auf verschiedenen Blogs schon sehr gute Rezensionen auf die ich gerne verlinken möchte:
http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2016/04/schlaf-gut-baby-nora-imlau-und-herbert-renz-polster-rezension.html
http://wunschkind-herzkind-nervkind.blogspot.co.at/2016/05/schlaf-gut-baby-der-sanfte-weg-zu.html

Gekauft haben wir das Buch *hier*.

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Das Buch ist umfangreicher als das eben vorgestellte und es wird auch vermehrt die Evolutionsbiologie mit einbezogen. Im Großen und Ganzen mag ich das Buch sehr gerne, weil auch eher unkonventionelle Wege als völlig legitim dargestellt werden und auch immer wieder betont wird, dass alles, was sich gut und richtig für das Baby und für die ganze Familie anfühlt, auch in Ordnung ist. Es gibt in dem Buch einige Tipps und Vorschläge, aber nicht die Lösung oder den Weg schlechthin und das sagen auch die Autoren ganz offen so!

„Wir müssen ehrlich zugeben: Ein liebevoller Weg, Kinder binnen kürzester Zeit ohne Tränen zum Einschlafen ohne Hilfe und zum elternfreundlichen Durchschlafen zu bringen, ist uns nicht bekannt. Aber sanfte Strategien, die bereits vielen Eltern dabei geholfen haben, wieder zu besserem Schlaf und neuen Kräften zu kommen, die kennen wir durchaus.“
— Schlaf gut, Baby! Der sanfte Weg zu ruhigeren Nächten —

Das Buch kam mir gerade zur rechten Zeit, als ich um den zweiten Geburtstag unseres Tigers und auch wegen des zweiten Babys etwas zu zweifeln begann, ob unser Tiger nicht doch bald mal etwas besser schlafen könnte.. Und ich bin richtig froh darüber, dass ich es ohne eine Sekunde zu zweifeln, gekauft habe, denn es gab mir die Antworten, die ich gesucht habe!

Ich liebe diese beiden Bücher und blättere sie auch beide immer wieder gerne durch und lies mir die für uns wichtigen Stellen durch. So unglaublich wertvoll sind die Bücher aber nicht für mich, weil sie irgendein Allheilmittel oder sonst etwas enthalten, die unseren Schlaf nachhaltig veränderten, sondern weil sie mich immer wieder bestärkten, dass es in Ordnung ist, so wie es ist! Dass unser Tiger eben zu den Kindern gehört, die nicht den besten Schlaf, aber dass wir deswegen noch lange keine Schlafprobleme haben. Sie vermitteln, dass Kinder einfach anders schlafen, als wir es uns wünschen, aber dass das alles seine Richtigkeit hat. Ich kann nun auch selbstbewusst sagen, dass unser Tiger mit seinen über 2 Jahren noch nicht durchschläft und dass er mit uns im Familienbett schläft und dass ich ihn jeden Abend/Nachmittag Einschlafbegleite. Für uns ist das der richtige Weg und diesen werden wir beibehalten, solange es für uns alle passt und sich richtig anfühlt.

Den besten Tipp, den ich verzweifelten Eltern mit auf den Weg geben kann, ist einfach das Annehmen der Situation und auch, dass es für alle entspannter werden kann, wenn man sich mit der jeweiligen Situation arrangiert. Die Zeit, in der viele unserer Kinder die Eltern zur Verzweiflung bringen und uns nachts so sehr brauchen, ist sehr kurz. Der „Schlafrhythmus“ von kleinen Kindern ändert sich regelmäßig und irgendwann kommt die Zeit und jedes Kind schläft in seinem Zimmer durch. Alleine das Akzeptieren des Schlafverhaltens macht das Schlafen einfacher und verändert es manchmal sogar zum Positiven, da der Druck genommen wird und man entspannter mit allen Situationen umgehen kann.

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„Jedes Kind ist hochbegabt“

Die angeborenen Talente unserer Kinder und was wir aus ihnen machen
von Gerald Hüther und Uli Hauser (*klick*)

Ich habe mir fest vorgenommen, dass ich euch in nächster Zeit mehr meiner Lieblingsbücher vorstelle. Daher beginne ich heute mit einem Buch, dass für mich eine große Bedeutung hat. Ich habe dieses Buch vor über einem Jahr von meiner Tante geschenkt bekommen und mit dem Lesen dieses Buches hat sich für meine Welt, meine Vorstellung von Kindern, meine Vorstellung von „Erziehung“ komplett verändert, denn dieses Buch brachte den Stein ins Rollen, eine neuen Weg zu gehen.

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Ich stelle euch jetzt kurz die einzelnen Kapitel vor und wo es für mich wichtig ist, werde ich auch persönliche Gedanken mit euch teilen.

Das Buch ist in 5 Kapitel mit einigen Unterkapitel übersichtlich unterteilt und bereits das Inhaltsverzeichnis hat mich sehr neugierig gemacht.

1 Bevor es losgeht

Im ersten Kapitel wird großteils auf das Schulsystem eingegangen – was dieses mit unseren Kindern macht, wie der Leistungsdruck Kinder verändert und wie sich das auch auf ihre Begeisterung auswirkt. Auch das wichtige Thema Lob und Bestrafung wird behandelt – vom Baby/Kleinkindalter bis hin zum Notensystem in der Schule. Dabei wir immer wieder einfühlsam auf die Seele unserer Kinder eingegangen und was eigentlich Kinder brauchen. Dazu möchte ich euch gerne ein Zitat von Pablo Casals, einem spanischen Cellisten, der auch in dem Buch zitiert wird, weitergeben:

„Jede Sekunde, die wir leben, ist ein neuer und einzigartiger Augenblick im Universum, ein Augenblick, der nie wieder sein wird… Und was lehren wir unsere Kinder? Wir lehren sie, dass zwei und zwei vier ergibt […]. Wann werden wir sie lehren, was sie sind? Wir sollten zu jedem von ihnen sagen: Weißt du, was du bist? Du bist ein Wunder. Du bist einzigartig. In all den Jahren, die vergangen sind, hat es nie ein Kind wie dich gegeben. […] Du hast die Fähigkeit zu allem. Ja, du bist ein Wunder. […]“

2 Mehr als ein Wunder: Welche Begabungen unsere Kinder mit auf die Welt bringen

  • Liebe und Zuneigung
  • Offenheit und Entdeckerfreude
  • Kreativität und Gestaltungslust
  • Vertrauen und Zuversicht
  • Beharrlichkeit und Eigensinn
  • Achtsamkeit und Mitgefühl

Alleine diese Aufzählung ist doch unglaublich schön und faszinierend – welch tollen Talente doch jedes einzelne Kind bereits vor der Geburt mit ins Lebens bringt, wie unglaublich doch schon so kleine Kinder sind! Auf jeden dieser Eigenschaften wird in jeweils einem eigenen Kapitel eingegangen und genau ausgeführt, wie sich diese Eigenschaft äußert und was dahinter steckt. Ein Zitat aus der Einführung dieses Kapitels hat mich aber besonders bewegt. Denn so wahr wie es auch ist, dass die beiden angeführten Kinder hoch begabt sind, so traurig ist es auch, was von der Gesellschaft als „groß“ gewürdigt wird und was einfach als „nichts“ abgetan wird. Es ist dabei auch immer abhängig, wo Menschen gerade leben und was unter diesen Umständen als besonders wertvoll und wichtig angesehen wird.

„Offenbar hat das, was wir als eine besondere Begabung oder ein Talent bewerten, keine absolute Gültigkeit. […] Wenn ein Kind beispielsweise extrem gut auf Bäumen steigen und klettern kann, ist es dann nicht genauso hoch begabt, wie ein anderes Kind, das schon als Grundschüler ein mathematisches Problem löst, an dem sich erwachsene Mathematiker die Zähne ausbeißen?“

Der Punkt Beharrlichkeit und Eigensinn ist vermutlich der Punkt, den alle Eltern nur zu gut kennen und doch eigentlich am wenigsten Verstehen und damit umgehen können.

„Nur verstehen Erwachsene nicht immer, was ein kleines Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt seiner Entwicklung gerade besonders begeistert, wenn es mit großem Enthusiasmus eine bestimmte Absicht verfolgt. Und die passt nicht immer zu den Absichten, die wir als Eltern oder Erzieher gerade haben. Dann ruft es laut:“Alleine machen“. Wehrt sich, wenn Vater oder Mutter ihm bei etwas helfen wollen, was es selbst lernen will. […] So unbequem kindlicher Eigensinn für uns Erwachsene gelegentlich auch sein mag, so gefährlich ist es, ihn zu brechen. […] Wenn es nun erleben muss, dass es damit Arger verursacht, Ungeduld erzeugt oder gar abgelehnt wird, muss es dieses Bedürfnis unterdrücken. Damit unterdrückt es aber nicht nur die Ausführung einer im Moment als unerwünscht erlebten Handlung. Es muss auch den eigenen Willen unterdrücken, der dieser Handlung zugrunde liegt. Dieser eigene Wille ist jedoch nicht nur der Auslöser dieser Handlung, sonder Grundlage jedes Handelns und vor allem der Lust am eigenen Handeln, […]“

Unser Tiger ist mit seinen 2 Jahren auch ganz motiviert und möchte alles selbst schaffen. „Alleine machen“ hören wir oft schon von ihm, bevor wir überhaupt die Absicht haben, ihm zu helfen. Ja, es kann Anstrengend und Zeitaufwändig sein, doch wenn ich dann unseren Tiger beobachte, wie konzentriert und vertieft er etwas probiert, ist es doch jeder Aufwand wert.

3 Richtig unterstützen statt falsch fördern: Wie Kinder ihre Talente entwickeln können

  • Die Entstehung von Begabungen
  • Die Entfaltung von Begabungen

In diesem Kapitel wird erklärt, wie Kinder bereits als Fötus im Bauch der Mutter die Umgebung und die Gefühle der Mutter wahrnehmen und was sich daraus dann bilden oder entwickeln könnte. Auch die frühe Kindheit spielt im Zusammenhang mit Begabungen eine großes Rolle und es werden exemplarisch auch einige Beispiele gezeigt, wie die Umwelt die Entwicklung eines Kindes beeinflussen könnte. Dabei wird auch immer wieder die Neurobiologie dahinter mit einbezogen und wirklich verständlich und nachvollziehbar erklärt. Wieder wird darauf eingegangen, wie sich Kinder mit Lob und Bestrafung verändern und vor allem, welchen Einfluss das auch auf die Gefühlswelt und auf das Gehirn der Kinder hat. Die Autoren betonen, dass ausschließlich das Kind beurteilen kann, welchen Interessen es nachgehen möchte und lehnen jegliche Art von Frühförderungen in eine gewisse Richtung ab. Es wird auch immer wieder deutlich, dass für die Entwicklung der Kinder weder die passive Wissensvermittlung der Schule noch die Reizüberflutung durch Medien (Fernsehen, Computer) förderlich ist, sondern dass andere Werte, wie gemeinsames Spielen, Musizieren, Malen, Lernen, Lesen, etc. wichtig sind.

4 Leider oft verschenkt: Was wir aus den Begabungen unserer Kinder machen

  • Wenn die Liebe verraten wird
  • Wenn die Entdeckerfreude verdorben wird
  • Wenn die Gestaltungslust gebremst wird
  • Wenn das Vertrauen missbraucht wird
  • Wenn der Eigensinn gebrochen wird
  • Wenn das Mitgefühl unterdrückt wird

Auch dieses Kapitel mit seinen Unterkapiteln ist für mich unglaublich wichtig. Es geht nicht darum, dass wir all die genannten Dinge bewusst machen, ganz unbewusst und auch oft unwissentlich können die Eltern den Kindern viele dieser Eigenschaften nehmen. Die Autoren bauen dabei auch immer wieder sehr gut den Einfluss der Umgebung und der gesamten Gesellschaft in diese Kapitel mit ein und öffnen einen immer wieder gekonnt die Augen. Auch wenn wir nicht alles verändern können, so können wir doch unsere Kinder so gut wie möglich unterstützen, damit sie sich viel von ihren angeborenen Eigenschaften zumindest zum Teil bei behalten. Dabei reichen die Erläuterungen der Autoren von Babyalter bis weit in die Pubertät und Jugendzeit.

Da ich auch bei Kapitel 2 auf den Eigensinn eingegangen bin, möchte ich auch an diesem Punkt ein Zitat aus dem Kapitel „wenn der Eigensinn gebrochen wird“ wiedergeben.

„Doch der Eigensinn eines Kindes ist Ausdruck seiner bis dahin gewonnen Unabhängigkeit des eigenen Denken, Fühlens und Handelns. Zwar müssen Kinder lernen,  sich anzupassen und die Regeln des sozialen Zusammenlebens einzuhalten, doch ihre autonome Regung, ihre eigenen Gedanken und ihren Willen sollten sie dabei nicht unterdrücken. Wie soll ein Kind zu einer selbstbestimmten und selbstbewussten Persönlichkeit heranreifen, das im Wesentlichen immer nur erfahren hat, dass es das Beste ist, sich anzupassen?“

Wenn mich der Eigensinn unseres Tiger manchmal etwas nervt, so halte ich mir immer vor Augen, dass ich eigentlich ja gar kein Kind will, das mir auf mein Wort gehorcht. Er soll und darf eigene Erfahrungen machen. Wenn es sich dann auch noch um Dinge handelt, die eigentlich gar nicht schlimm oder wichtig sind sind, muss ich manchmal sogar über mich schmunzeln und mich selbst ermahnen, alles etwas lockerer zu sehen und einfach mal zu beobachten, wie sich unser Tiger verhält – und manchmal überrascht er mich!

5 Für ein Leben in Fülle: Was unsere Kinder wirklich brauchen

Im letzten Kapitel des Buches werden noch einmal alle Themen angeschnitten und es wird ein ganzheitliches Bild des Kindes und auch unserer Gesellschaft vermittelt. Wie sollen wir unsere Kinder auf eine Welt vorbereiten, die wir selbst nicht kennen? Wie können wir entscheiden, was einmal für unsere Kinder wichtig sein wird oder welche Kompetenzen sie erwerben müssen, um später auf der Welt klar zu kommen? Wir kennen diese Welt nicht und können unsere Kinder daher nicht vorbereiten, wir müssen vertrauen haben.

Ich mag dieses Buch besonders, weil es so viele unterschiedliche Aspekte in wenigen Zeilen vereint. Jede Seite ist voll mit Informationen und es wird nicht unnötig herum geschrieben – das macht das Buch für die Thematik recht kurz und doch sehr informativ. Auch die ganzheitliche Sicht von Baby bis Jugendalter, vom Einfluss der Umwelt, der Gesellschaft, der Elter/Erzieher über die technische Entwicklung bis hin zu den neurologischen Aspekten ist den Autoren optimal gelungen. Eine klare Empfehlung für das Buch von meiner Seite!

Abschließend zu meiner Buchempfehlung, möchte ich euch noch mein Lieblingszitat des Buches wiedergeben.

„Es ist eine skurrile Situation. Mit der Geburt legen Kinder einen Start hin, der besser nicht sein könnte. Sie haben phänomenale Fähigkeiten, eine enormen Willen und ungeheuren Ehrgeiz. Sie sind aufmerksamer als Erwachsene, sind im Besitz von mehr Phantasie und können sich an sich selbst begeistern. Könnten Kinder Achtsamkeitstrainings anbieten, würden in Deutschland ganze Berufsgruppen arbeitslos. Kinder beobachten besser, leben intensiver und haben keine Hemmungen. Sie sagen, was sie denken. Fragen, was sie wollen. Handeln, wie sie fühlen. Gegen Kinder sehen wir Erwachsene alt aus. Was bringt uns also dazu, alles daranzusetzen, dass unsere Kinder so werden wir wir? Habe wir Angst vor dem Spiegel, den sie uns vorhalten?“

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Die Liebe zu Bücher!

Ich selbst liebe Bücher! Seit ich mich erinnern kann, hab ich immer schon sehr viel gelesen. Bereits als Kind fand man mich in Büchereien beim Schmökern in verschiedensten Büchern und die Leselust hat mich mein Leben lang begleitet. Natürlich gibt es auch Zeiten, wo ich weniger gelesen habe, doch die waren immer relativ kurz. Auch jetzt noch liebe ich es zu lesen und sei es, um sich einfach ein paar Minuten in eine fremde Welt zu flüchten und gedanklich mal komplett von allem los lassen zu können. Es ist völlig egal, um welches Thema es geht – zuerst mal ein Buch darüber lesen *hihi*. Und so ist auch meine Interesse sehr weit gefächert und bis auf Thriller, Krimis und dergleichen (was ich früher aber auch verschlungen habe), gibt es kaum Bücher, die ich nicht spannend finde.

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Empfehlungen aus dem Buch „Montessori von Anfang an“
Diese Liebe zu Bücher möchte ich gerne unserem Tiger weitergeben! Ob mir das gelingt, wird sich zeigen (der Tigerpapa ist leider so das ziemliche Gegenteil von mir, wenn es um Bücher geht..). Bei der Auswahl von Bücher für den Tiger bin ich sehr wählerisch, wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt. Seine Bücher müssen realitätsnah bzw. mit Fotos sein und dürfen nicht überladen sein. Vor Kurzem hab ich in dem Buch „Montessori von Anfang an“ (*klick*) gelesen, dass das auch zu 100% Montessori entspricht (ich hab mich sehr über meine Intuition gefreut *hihi*), aber es geht in dem Kapitel über Bücher natürlich noch spannend weiter. Weiters wird empfohlen, dass Kinder von 2 Jahren nicht mehr als 4 Bücher auf einem Platz zur freien Verfügung haben, diese sollten dann öfter mal ausgetauscht werden. Es sollten weitere Bücher für gemeinsames Lesen zu einer fixen Zeit (meist vor dem Schlafen gehen) in einem Schrank aufbewahrt werden. Dabei ist natürlich wichtig, dass die Thematik auch die Eltern interessiert – das Kind wird kaum ein begeisterter Leser werden, wenn das Vorlesen gelangweilt oder aus einer elterlichen Pflicht heraus erledigt wird. Bücher und Spielzeug sollten niemals miteinander vermischt werden (also z.B. im gleichen Korb aufbewahrt werden), da Bücher nicht wie Spielzeug zum Experimentieren verwendet werden sollen – so weit die Empfehlungen im Buch.

Mamas „Lesezeit“
Den für mich persönlich mit Abstand wichtigsten Punkt des Kapitals möchte ich euch auch nicht vorenthalten! Kinder sehen uns als ihre Vorbilder an – was für uns wichtig erscheint, wird auch in ihrem Leben möglicherweise mal eine wichtige Rolle spielen. Es ist daher wichtig, dass unser Kind neben dem Vorlesen auch uns mit Genuss lesen sieht! Dieser Gedanke ist neu für mich und einfach großartig! Es wird empfohlen, dass man sich als Eltern täglich eine bestimmte Zeit nimmt, die man mit einem eigenen Buch genießen kann. Ich nehme mir seit einigen Tagen Nachmittag etwa 15 Minuten Zeit und lese etwas – in dieser Zeit spiele ich nicht mit dem Tiger oder helfe ihm bei irgendwas. Wenn er kommt, erkläre ich ihm ganz ruhig, dass ich jetzt gerne lesen möchte und dann wieder mit ihm spiele, wenn meine Lesezeit vorbei ist. Ich war beeindruckt, wie problemlos das gleich vom ersten Tag an funktioniert. Der Tiger geht dann in sein Zimmer und spielt. Gestern hat er sich zum ersten Mal auch zu mir an den Tisch gesetzt und sich sein neues Katzenbuch angesehen. Ich achte aber darauf, dass der Tiger in dieser Zeit ausgeruht und satt ist. Ich selbst genieße diese Zeit sehr und werde das auf alle Fälle beibehalten!

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Erziehungsratgeber Vs. Mutterinstinkt?

Bevor ich näher auf das Thema eingehen, möchte ich gerne anmerken, dass ich das Wort „Erziehungsratgeber“ ganz schrecklich finde.. Es gibt so viele unterschiedliche Bücher und alle des großen Themas „Kinder und Erziehung“ in die Spate der Erziehungsratgeber zu stecken, finde ich genauso schlimm wie schlichtweg auch einfach falsch. Bei dem Wort Erziehungsratgeber denke ich sofort an vorgefertigte Listen, wie ich mit meinem Kind zum Vorgehen habe, wenn ein Problem auftritt. Ja, diese Art der Erziehungsratgeber gibt es – von denen würde ich allerdings abraten. In meinem Beitrag geht es um Bücher, die einem das Wesen und das Denken von Kinder jeglichen Alters und Entwicklungsstufe näher bringen. Spreche ich in dem Beitrag von Mutterinstinkte, sind eigentlich die Elterninstinkte gemeint – der Papa nimmt in der Beziehung zum Kind eine andere, aber ebenso wichtige Rolle ein.

Wenn es in Gesellschaft darum geht, dass ich Bücher zu diversen Themen mit Kindern lesen, wurde ich schon öfter belächelt und mit einem Seitenwink darauf hingewiesen, dass man sich doch besser auf den Mutterinstinkt verlassen sollte. Wenn dann jene Eltern ihren Kinder zurufen „wenn du nicht brav bist, bekommst du nichts mehr Süßes“ oder einem weinenden Kleinkind gesagt wird „alle Kinder sind so brav – warum musst du immer weinen?“ frage ich mich, wo eben dieser jene hoch angepriesene Mutterinstinkt geblieben ist.

Um einen harmonischen und an die Bedürfnisse des Kindes angepassten Alltag zu erleben, sind gewissen Grundkenntnisse, wie Kinder denken von Vorteil. Wenn ich weiß, dass es normal ist, dass Kinder Essen von ihrem Hochstuhl werfen und nachsehen oder Dinge unter dem Teppich verstecken, alles mal in den Mund nehmen oder heute mal keine Jacke anziehen wollen, und auch weiß, warum sie es machen, kann ich dem Alltag und diesen Situationen gelassener entgegensehen. Kinder wollen uns nicht bewusst ärgern oder uns absichtlich etwas Böses – Kinder funktionieren einfach anders. Sie haben noch nicht gelernt, wie wir zu denken und unser Handeln ist für sie ebenso oft unklar wie umgekehrt. Eltern sollten wissen, was mit der Seele des Kindes passiert, wenn sie ihm wiederholt sagen, dass sie es zurücklassen, wenn es sich nicht beeilt oder wenn es nach einer „Untat“ alleine auf sein Zimmer geschickt wird. Es ist auch hilfreich zu wissen, dass Kinder oft nicht bewusst trödeln, sondern einfach mehr Zeit brauchen und es ist unsere Aufgabe, diese einzuplanen. Wie alle Eltern wollen auch wir nur das Beste für unseren Tiger und um ihn den ohnehin steinigen Weg zu erleichtern, eigne ich mir Wissen über seine Entwicklung, sein Denken, sein Handeln, sein Wesen an und kann so seinen Bedürfnissen entsprechend reagieren.

Erziehungsratgeber sollen den Mutterinstinkt also nicht ablösen, sondern in wunderbarer Art und Weise ergänzen und positiv erweitern. Nicht jeder Tipp in jedem Buch ist für einen selbst von Vorteil und nicht alles kann so umgesetzt werden, wie man es vielleicht möchte. Ich kann immer noch entscheiden, was nehme ich mir mit und was ist für meine Familie nicht geeignet oder erstrebenswert – welche Themen betreffen auch mein Kind und was funktioniert ohnehin.

In diesem Sinne möchte ich euch noch gerne mit Stolz mein Bücherregal zeigen. Ich habe leider noch nicht alle Bücher lesen können, doch diesbezüglich halte ich euch am Laufenden. Besonders empfehlen kann ich das Buch „Kinder sind anders“ von Maria Montessori (*klick*), „Liebe und Eigenständigkeit“ von Alfie Kohn, „Lieben-Ermutigen-Loslassen“ von Heidi Maier-Hause und für alle Eltern, die Probleme mit dem Schlafverhalten ihrer Kinder haben „Ich will bei euch schlafen“ von Lüpold. Soweit ich dazu komme, möchte ich euch die Bücher in späteren Beiträgen noch näher vorstellen.

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Nachdem ich bereits einiges gelesen habe, habe ich auch die Möglichkeit, mich bewusst für einen Weg zu entscheiden bzw. mich gegen einen Weg zu entscheiden. Als Eltern sollten wir uns die Konsequenzen (positive wie negative) unseres Handelns gegenüber den Kindern bewusst machen und dementsprechend handeln. Verlasst euch auf eure Mutterinstinkte, doch lernt gleichzeitig euer Kind in seinem Denken, seinem Handeln und seinem gesamten Wesen verstehen! Dieses Kennenlernen ist ein Prozess ohne Abschluss. Begleitet man sein Kind auf seinem Weg, wird man es immer wieder neu kennen lernen – es wird niemals der Moment kommen, an dem man sagen kann, man weiß alles. Das macht „Kindererziehung“ so schwierig und gleichzeitig so unglaublich spannend!

..für Erwachsene · 16 - 18 Monate · Buchempfehlungen · Freies Spiel / Artwork

ArtWork, Buchtipp und ein paar Gedanken dazu..

“Alles beginnt mit einem Strich, der sich auf einem Blatt Papier unendlich hinzieht. Man nennt es Gekritzel.”
~ Arno Stern ~

Jeder Mensch kann kreativ sein und die Formen der Kreativität sind grenzenlos! Wir als Eltern können einen wichtigen Teil dazu beitragen, dass unsere Kinder ihre Freude an der Kreativität behalten und sie liebevoll auf ihrem kreativen Weg begleiten. Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, dass sie experimentieren und ihrere Phantasie freien Lauf lassen können. Dabei sollten wir uns als Eltern so wenig wie möglich einmischen und noch wichtiger, die Arbeit keinesfalls bewerten. Wir können positiv zu ihrer Entwicklung beitragen, indem wir unsere Kinder nicht einschränken und ihre Werke durch geradlinige Vorgaben wie „richtig“ oder „falsch“ belehren. Kinder sollten durch Kreativität Vertrauen in sich selbst aufbauen und das Vertrauen in ihre schöpferischen Handlungen stärken, damit sie sich zu selbstbewussten und selbstsicheren Erwachsenen entwickeln können. Wir sollten uns gemeinsam mit unseren Kinder über Ergebnisse freuen und uns für ihre Werke interessieren. Richtiges Interesse zeigen wir, indem wir nachfragen und mit dem Kind über sein eigenes Werk sprechen. Mit unserem Tiger bespreche ich bereits jetzt die unterschiedlichen Farben während oder nach dem Malen oder zeige ihm, wie man unterschiedliche Formen malen kann. Wenn er in seinem Tun beschäftigt ist, mische ich mich nicht ein und spreche auch nur mit ihm, wenn er mir sein Werk zeigt. Im Moment sind seine Werke Kritzeleien. Diese Kritzeleien legen allerdings die Basis für die fortlaufende zeichnerische Entwicklung dar und sind somit immens wichtig für Kinder dieses Alters.

Die Staffelei vom Möbelschweden steht schon länger in seinem Zimmer und wir haben sie vor einiger Zeit mit Buntstifte und Papier getestet – da es aber unserem Tiger nicht wirklich interessiert hat, ist die Tafel in den letzten Wochen langsam aber stetig verstaubt…
Letzte Woche habe ich beim Möbelschweden dazupassende Whiteboard-Stifte entdeckt, die wir dann gleich ausprobieren mussten.

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Beim ersten Probieren war er nach anfänglicher Skepsis hellauf begeistert und probierte eine Farbe nach der anderen aus – dabei machte er den Stöpsel ab, malte drei Striche und verschloss den Stift wieder fein säuberlich. Zwischendurch wischte er immer wieder mit dem dazu gehörigen Wischer etwas ab und malte wieder weiter. Nebenbei benannte ich ihm die Farbe, die er gerade verwendete – komischerweise fand er das Wort “schwarz” sehr lustig *haha*.

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Seitdem geht er immer wieder zu seiner Staffelei und sagt „malen“. Dann gebe ich ihm seine Stifte und er beschäftigt sich einige Minuten damit. Mittlerweile malt er, wischt die Tafel komplett sauber und beginnt wieder von vorne. Stifte öffnen und schließen ist nach wie vor eine wichtige Übung für ihn und vor kurzem hat er auch entdeckt, dass die Stifte auf die Rückseite des Wischer gesteckt werden können.

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Gemalt wird im Moment noch mit linker und rechter Hand, auch mal mit beiden gleichzeitig, und es wird noch keine Hand von ihm bevorzugt.

Abschließend möchte ich euch noch gerne ein Buch vorstellen, das letzte Woche einen Fixplatz in meinem Regal erhalten hat. Dieses Buch ist auch die Hauptquelle des heutigen Artikels!

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Das Buch beinhaltet viele Ideen für Kinder von 0-3 Jahre. Es ist übersichtlich gestaltet und es sind auch „Rezepte“ für Fingerfarben, Straßenkreiden, ect. zum Selbermachen vorhanden. Leider ist nicht zu jeder Idee ein Foto abgebildet. Ich kann das Buch aber trotzdem zumindest als Gedankenanstoß jedem empfehlen.

..für Erwachsene · Buchempfehlungen · Gedanken

Kinder sind anders – M. Montessori

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„Kinder sind anders“ ist das erste Buch, das ich von Maria Montessori selbst gelesen habe und ich bin sehr begeistert davon. Sehr vieles in dem Buch hat mir geholfen, dass ich meinen Tiger noch besser verstehe und besser auf ihn eingehen kann und ich möchte jedem, der Kinder besser verstehen möchte, dieses Buch ans Herz legen. Ich stelle euch hier ein paar Zitate aus dem Buch und meine Gedanken dazu vor.

 

„Hilf mir, es alleine zu tun.“

Das ist wahrscheinlich das berühmteste Zitat Montessoris und sagt schon sehr viel über die Grundhaltung gegenüber Kinder aus. Wenn man einem Kind hilft, indem man das Problem für das Kind erledigt, so ist das eine sehr unbefriedigende Lösung für Eltern und Kind. Es ist für Kinder so unglaublich wichtig, dass sie so vieles wie möglich alleine machen können, egal in welchem Bereich ihres Lebens – diese Erfolgsmomente, die darauf folgen, sind für jeden Menschen so unbeschreiblich wertvoll. Das Gefühl, etwas alleine geschafft zu haben, stärkt einen Menschen und gibt ihm Selbstbewusstsein. Braucht unser Tiger irgendwo unsere Hilfe, achte ich darauf, ihm nur eine Hilfestellung zu geben, also soweit zu helfen, dass er es trotzdem alleine zu Ende bringen kann. Möchte er z.B. seine Socken ausziehen und schafft es nicht alleine, zeige ich ihm, wo er ziehen muss, damit es leichter geht oder ich schiebe den Socken nur ein Stück weit nach unten, damit er ihn im Endeffekt alleine ausziehen kann. Und der Gesichtsausdruck, wenn er etwas alleine geschafft hat (was auch immer) ist jede Mühe, jede kreative Hilfestellung und jede Geduld wert!

 

„Wer wird noch einmal mit solcher Leidenschaft in unserer Nähe sein wollen, […]?“

An diesen Satz muss ich immer und immer wieder denken und jedesmal hilft er mir, dass ich die Handlungen meines Kindes mehr als nur zu schätzen weiß! Sehr oft denke ich an diesen Satz, wenn es um die Schlafsituation geht – wir haben nach wie vor unzählige Abende, an denen der Tiger alle 1-2 Stunden weint, weil er alleine im Familienbett ist. Unzählige Stunden bin ich schon mit ihm im Bett gelegen, wach weil ich noch nicht schlafen konnte und kurz an der Grenze zum Genervtsein.. Seit ich diesen Satz gelesen habe, weiß ich es zu schätzen, dass er mich in dem Ausmaß braucht! Die Zeit wird vorbei gehen und er wird mich nicht mehr so intensiv brauchen wie jetzt – das könnte in 3 Monaten oder auch in 2 Jahren sein, aber diese Zeit wird definitiv vorbei gehen und daher genieße ich sie jetzt, so gut es möglich ist und schaue dem Tiger einfach stundenlang beim Schlafen zu.

 

„Die kindliche Persönlichkeit, die in ihrer Entwicklung gefördert werden soll, ist die schwächere; daher muss die überlegene Persönlichkeit, die des Erwachsenen, zurücktreten, sich der Führung durch das Kind überlassen und seine Ehre darein setzen, das Kind zu verstehen und ihm zu folgen.“

Die Wege von Kindern sind andere und auf diesen Wegen den Kindern zu folgen, sie zu begleiten, ihnen zu helfen wenn sie es brauchen, ist ein sehr großes Geschenk. Es heißt immer, eine Gruppe ist so stark, wie sein schwächstes Mitglied und an diese Bedürfnisse wird die Umgebung angepasst, an den Langsamsten wird die Geschwindigkeit angepasst. So ist es auch mit Kindern, sie sind das schwächste und neueste Glied in der Gruppe, in der Familie. Die Erwachsenen sollten sich daher an der Geschwindigkeit, an der Verständlichkeit, an den Handlung und Interessen des Kindes anpassen. Es wird mit der Zeit wachsen und gestärkt alleine durchs Leben gehen – doch bis dahin sollte der Rhythmus des Kindes auch der Rhythmus des Erwachsenen – wann immer es möglich ist.

 

„[…] es wäre restlos glücklich, gäbe man ihm andere Gegenstände in die Hand, die ihm dieselben Übungen ermöglichten.“

Kinder üben in allem, was sie tun ihre Fertigkeiten, fördern selbstständig ihre Entwicklung und entdecken oft für uns verborgene Dinge. Nicht alles können wir ihnen erlauben, doch sollten wir stets bemüht sein, unseren Kindern Alternativen anzubieten! Und wenn man das immer und immer wieder probiert, wird man feststellen, dass Kinder diese Alternativen sehr oft und anstandslos annehmen. Es fordert oft sehr viel Kreativität, Alternativen zu finden und für mich ist das auch nicht immer möglich – doch ich lerne stetig dazu und es wird mit der Zeit auch leichter, gleichwertige Dinge zu finden, an denen das Kind seine Fertigkeiten üben kann.

 

„Das Kind hingegen muss mit niederschmetternder Regelmäßigkeit feststellen, dass es und nur es alleine als eine Gefahr für die Gegenstände angesehen wir und dass deswegen ihm alleine die Berechtigung abgesprochen wird, sie anzurühren, und dass es darum ein Wesen minderen Wertes ist, ein Wesen, dessen Wer fast noch unter dem der Gegenstände steht.!

Das ist eine sehr zugespitzte und drastische Formulierung, die allerdings sehr viel Wahrheit enthält. Und man kann da bei den einfachsten und banalsten Dingen ansetzen, z.B. ein Glas. Für jeden in der Familie ist die Verwendung eines Glases zum Trinken selbstverständlich und auch wenn Besuch kommt, wird ihm selbstverständlich ein Glas angeboten – sogar wenn man den Besucher gar nicht recht kennt. Nur das kleine Kind bekommt kein Glas – es ist noch zu klein, es kann den Umgang damit nicht, es könnte es zerbrechen,… Aus diesem Blickwinkel muss es doch wirklich sehr niederschmetternd sein, Kind zu sein und nicht einmal die Möglichkeit bekommen, gleichberechtigt Gegenstände zu verwenden. Bei diesem Beispiel kommt noch hinzu, dass es ja auch noch völlig egal wäre, wenn das Glas kaputt werden würde (Hand aufs Herz – wem ist das noch nie passiert..!) – im Gegenteil, es wäre ein wichtiger Lernprozess für das Kind, dass Glas kaputt werden kann. Unser Tiger verwendet seit etwa 4 Monaten unser alltägliches Geschirr/Gläser/Kochuntensilien und wenn ich mir anschaue, was ihm kaputt und wie viel mir kaputt gegangen ist in diesen 4 Monaten, wäre die Bilanz niederschmetternd für mich und es müsste mir eigentlich verboten werden, jemals wieder ein Glas in die Hand zu nehmen!

 

Es gäbe noch so viel mehr in dem Buch, was wichtig und interessant ist, doch heute belasse ich es bei den Zitaten – es sind die Sätze, die für mich sehr viel Aussagekraft haben und mir geholfen haben, dass ich unsern Tiger besser verstehe und auch Dinge anders zu schätzen weiß. Es sind die Zitate, die mir helfen, unseren gemeinsamen Alltag gelassener und leichter zu meistern.