..autonomie · 28 - 30 Monate · Bedürfnisorientiert

Manchmal kann man „einfach nur“ da sein!

Unser Tiger hat sich gerade eben seit einer gefühlten Ewigkeit in den Schlaf geweint..

Meine Nacht war lang.. Senkwehen ließen mich nicht zur Ruhe kommen – kaum spürbar, aber ich konnte dennoch nicht schlafen. Ich stand mehrere Male auf, der Tiger meldete sich 2mal, dementsprechend müde war ich in der Früh, als der Tiger mich gut gelaunt weckte..

Wir frühstückten gemütlich und räumten etwas auf. Es begann richtig stark zu regnen und so überlegten wir, was wir denn machen wollten, denn ein Gartenbesuch fiel definitiv ins Wasser.. Der Tiger wollte unbedingt mit dem Laufrad zu den Feuerwehr-Autos fahren. So beschlossen wir, dass wir uns zum Mittagessen Jause kaufen und anschließend zu den Feuerwehr-Autos fahren. Allerdings habe ich den Tiger gebeten, dass ich mich vorher noch etwas ausrasten muss, was für ihn auch in Ordnung war. Auch unser Tiger war heute relativ müde, ich schob es auf das Wetter. Er legte sich nicht dazu, sondern spielte und sah sich Bücher nebenbei an. Kurz vor Mittag waren wir also soweit, um uns für das Wetter zu wappnen. Unser Tiger wollte ohne Regengewandt hinaus und ich erklärte ihm, warum das keine gute Idee ist – er sah das ein und wir zogen uns an. Bevor wir zu den Gummistiefeln kamen, verzog sich langsam sein Gesicht und unser Tiger begann ganz erbitterlich zu weinen. Er kuschelte sich zu mir und weinte. Ich lies ihn einige Minuten weinen und fragte dann vorsichtig nach, warum er denn jetzt so traurig war – meistens finde ich in solchen Situationen doch recht schnell heraus, was schief gelaufen war.. Doch nicht heute..

Der Tiger weinte und weinte.. Er sagte gar nichts und kuschelte sich zu mir. Nach einigen Minuten gab ich meine Bemühungen mit ihm zu reden auf, lehnte mich gegen den Schrank und lies ihn weinen – in der Hoffnung, dass er mir doch noch sagen würde, was los war.

Sein Weinen wurde aber nicht weniger, im Gegenteil. Behutsam zog ich ihm sein Regengewandt wieder aus und fragte ihn, ob wir uns zusammen kuscheln wollen –  so gingen wir ins Schlafzimmer und kuschelten uns zusammen in die Bettdecke. Der Tiger weinte und weinte. Ich streichelte ihm die Stirn und lies ihn einfach weinen. Langsam gingen seine Augen zu. Ich fühlte mich sehr zurückversetzt in die Zeit, als der Tiger noch sehr klein war und sich regelmäßig in den Schlaf geweint hat. Ich wusste, wie verzweifelt ich damals war, weil ich unserem Tiger nicht helfen konnte. Ich habe unseren Tiger niemals alleine weinen lassen – ich habe ihn immer durch seine Trauer begleitet und ihn mit seinen Gefühlen auch nicht alleine gelassen. Und doch war ich oft verzweifelt, weil ich eben nicht mehr tun konnte.

Im Laufe der Zeit habe ich mich durch den Tiger verändert und weiß mittlerweile, dass man nicht immer helfen, sondern oft einfach nur da sein kann. Dass dieses Wissen, dass jemand da ist, viel Sicherheit gibt und mehr Wert sein kann als alles andere. Und so sitze ich mit unserem Tiger im Bett und begleite ihn durch seine Trauer hinein in den Schlaf, bis auch sein letzten Schniefen verebbt ist und sein Atem ruhiger wird. Ich kuschle länger mit ihm, als es notwendig gewesen wäre, doch ich genieße diese Zweisamkeit mit ihm. Langsam meldet sich auch unsere Bauchbiene, so als ob sie fragen würde, ob alles in Ordnung ist. In Gedanken danke ich ihr, dass sie sich in der Verzweiflung des Tiger so kooperativ verhalten hat und ich bin dankbar, dass unser Tiger meine Anwesenheit annimmt und mich für ihn da sein lässt.

2016-08-09_01
Unser Tiger – 2 Wochen alt!

Behutsam lege ich ihn ab und kuschle mich dazu.. Ja, manchmal kann man einfach nur da sein und oft ist es mehr wert als alles andere!