..autonomie · 25 - 27 Monate · Bedürfnisorientiert

Hauen als Kommunikationsmittel

Unser Tiger ist ein unglaublich friedfertiges Kind – anderen Kinder würde er niemals körperlich etwas tun oder etwas wegnehmen. Allerdings hatten wir die letzten Wochen mit zwei Verhaltensweise von ihm Probleme, die uns vor große Rätsel stellten. Heute möchte ich euch gerne unsere „Problemsituationen“ und was dann im Endeffekt die Lösungen dafür waren, erzählen.

Unser Tiger liebt sein Rutschauto! Er hat es zum ersten Geburtstag von der Tigeroma bekommen und es ist seitdem kein Tag vergangen, an dem er nicht damit durch die Gegend gefahren ist. Letztes Jahr auch draußen, seit er sein Laufrad hat, aber nur mehr in der Wohnung. Vor einigen Wochen hat es dann angefangen, dass er mich ständig mit dem Rutschauto über den Haufen fährt. Alle Erklärungen, dass ich das nicht möchte und dass es mir weh tut, waren vergebens.. Immer und immer wieder habe ich ihm ganz ruhig erklärt, dass er mich nicht umfahren darf – anfangs unglaublich ruhig. Mit der Zeit merkte ich aber, wie es mich zunehmend nervte, dass ich ständig auf der Hut sein musste, wenn er mit seinem Rutschauto unterwegs ist – barfuß tut es nämlich wirklich richtig weh, wenn man nicht damit rechnet. Ich fragte mich, was denn nur mit unserem sonst so vernünftigen kleinen Tiger los war… Eines Tages war ich dann müde, genervt (von den mehrmaligen sinnlosen Erklärungen) und unser Tiger fuhr mal wieder voll Schwung gegen meine nackten Füße, sodass ich ihm sagte, wenn er das jetzt nicht lässt, kommt sein Auto weg. Kaum war der Satz ausgesprochen, tat es mir unglaublich Leid! Wir vermeiden „wenn/dann“-Sätze soweit wie möglich und gedroht wird gar nicht bei uns.. So Leid es mir in dem Moment tat, so veränderte sich auch der Blick des Tigers. Er fuhr einfach davon. Nach ein paar Minuten, nachdem ich mich beruhigt hatte, ging ich zu ihm und entschuldigte mich.. Ich erklärte ihm, dass sein Auto nicht wegkommt, weil ich weiß, wie gerne er es mag – aber dass es mir doch wirklich weh tut und ich das Umfahren nicht möchte. Die kommende Woche fuhr er mich immer wieder um und sagte gleichzeitig irgendwie ängstlich: „Kommt das Auto weg?“. Natürlich kam es niemals weg, was ich ihm auch immer wieder versuchte zu sagen, aber eine ganze Woche dauerte es, bis er sich von diesem Satz erholt hat.. In dieser Woche achtete ich auch ganz genau, wann er mich niederfährt, was ich mache, was er macht, wie die gesamte Situation ist.. Und dann kam der Tag, wo plötzlich alles klar war! Unser Tiger fuhr mich wieder über den Haufen, ich kniete mich zu ihm und fragte ihn, ob er kuscheln möchte. Er sprang auf und kuschelte sich zu mir, den restlichen Tag gab es keine Probleme mehr mit dem Rutschauto! Seitdem fährt er mich zwar trotzdem regelmäßig über den Haufen, grinst und fragt gleich „Mama kuscheln“, was wir dann auch machen!

2016-06-02_01

Ein ähnliches Problem hatten wir beim Essen. Unser Tiger fing oft nach kurzer Zeit an, mit dem Besteck gegen den Tisch zu schlagen – unser Vollholztisch schaut dementsprechend aus… Auch hier waren Erklärungen jeglicher Art sinnlos und oft wussten wir uns nicht anders zu helfen, als dass wir das Besteck zur Seite legten – die „Lösung“ war natürlich alles andere als zufriedenstellend für uns alle! Und so achtete wir wieder darauf, wann unser Tiger das macht und wie die gesamte Situation momentan ist – so kamen wir auch hier schnell auf das Problem, das eigentlich hinter seinem Verhalten liegt. Wir fragten ihn einfach mal, ob er Hilfe beim Essen braucht und er streckte sein Besteck dem Tigerpapa entgegen und strahlte. fMeistens fing er zum Herumhauen an, wenn wir alle gemeinsam zu Abend gegessen haben – ich vermute, dass er dann einfach durch die Gespräche nebenbei überfordert war. Wir bezogen ihn auch immer ins das Gespräch mit ein und so blieb das Essen oft etwas hinten. Seit wir ihm helfen, wurde das Hauen mit Besteck immer seltener.

Unsere Kinder legen oft Verhaltensweise an den Tag, die für uns Erwachsene einfach unverständlich sind. Obwohl unser Tiger wirklich sehr gut spricht, kann er immer wieder mal Bedürfnisse nicht mit Worten ausdrücken und weicht daher auf eine andere Kommunikationsform aus. Oft ist es wirklich schwierig, bis man bemerkt, was dahinter steckt und was er uns eigentlich mitteilen möchte – und der genaue Blick lohnt sich auf alle Fälle!

Trotz allem habe ich langsam aber sicher das Gefühl, dass wir in die „Phase des Ungehorsams“ bzw. von der Gesellschaft leider „Trotzphase“ genannt, rutschen. Ich habe mich daher die letzten Wochen intensiv damit beschäftigt (dadurch wurden auch unsere zwei genannten Situationen klarer) und werde euch demnächst mehr darüber erzählen!