..autonomie · 22 - 24 Monate · Bedürfnisorientiert · Gedanken

Wenn es mal richtig schief läuft..!

Wie bereits im Garten-Update erwähnt, waren der Tiger und ich am Freitag im Garten und haben die ersten Samen gepflanzt. Kurz habe ich auch schon angedeutet, dass wir ziemliche Schwierigkeiten hatten, nicht mit den Samen, sondern der Tiger und ich.

Nach einem tollen und harmonischen Tagesbeginn und gemeinsamen Frühstück machten wir uns auf den Weg in den Garten, dort fingen wir gleich mit der Arbeit an – umstechen, Erde umschaufeln und anschließend war das Pflanzensäen geplant. Bis zum Säen lief alles wie gewohnt ab – der Tiger half etwas mit und beschäftigte sich dann anders (heute hauptsächlich mit dem Fahrradschloss). Als es Zeit zum Säen wurde, bot ich unserem Tiger an, mir zu helfen und er war natürlich motiviert dabei. Ich gab ihm einen Samen nach dem anderen und zeigte ihm, wo er ihn setzen darf. Nach dem zweiten Samen wollte er selbst entscheiden und so hab ich ihm den Samen nicht mehr gegeben, sondern ihn für ihn in die Erde gelegt, er musste nur noch festdrücken – aber auch so machte es dem Tiger keinen Spaß und er bestand auf die Packung. Ich hab ihm (mehrmals) in aller Ruhe erklärt, dass ich ihm die Packung nicht geben möchte, weil wir die Samen noch brauchen und er sie vermutlich einfach ausleeren würde. Ich merkte aber, wie ich immer wütender wurde.. Immer und immer wieder die gleiche Diskussion.

2016-03-11_07
Neben den Samenpackungen wollte der Tiger auch immer wieder meine Kamera nehmen und da ich heute die Spiegelreflexkamera mitnahm, wollte ich ihm auch diese nicht geben. Es schaukelte sich alles soweit auf, dass ich beschlossen habe, ihm eine Packung mit Samen zu geben und ihm zeigte, wo er sie pflanzen darf. Es dauerte keine 2 Minuten, waren alle Samen auf der Wiese ausgeleert und ich erklärte dem Tiger, dass eben das der Grund ist, weshalb ich ihm keine Samenpackung mehr gebe und auch jetzt hat er es noch nicht verstanden und weiter nach der nächsten Packung verlangt.

Meine Geduld war zu diesem Zeitpunkt am Ende! Wir packten zusammen und fuhren wieder heim, ohne dass ich ein Wort mit dem Tiger sprach – ich war so unsagbar wütend.. Zu Hause hab ich dem Tiger gesagt, dass ich jetzt Zeit für mich brauche und er ins Zimmer spielen gehen soll, was er dann auch getan hat!

Ich legte mich auf das Sofa und musste erstmal weinen – was war denn so unglaublich schief gelaufen heute? Gemeinsame Gartenarbeit sollte Spaß machen – wieso war ich plötzlich so wütend? Und so lies ich unseren Gartenvormittag Revue passieren. Außer Frage steht für mich immer die Schuld des Tigers! Er hat sich einfach altersgemäß wie ein 2-jähriges Kind verhalten – er wollte ebenso wie ich Samen aus der Packung nehmen und verteilen. Und er wollte es auch mit der Kamera festhalten – eben auch gleich wie ich! Momentan merke ich die Hormone wieder förmlich arbeiten und sehe das auch mitunter als Grund, wieso ich so schnell wütend geworden bin. Samstag sollte bzw. fuhr ich auch wieder zu meinem Papa und auch diese Anspannung kann ich deutlich spüren, wenn auch ungern zugeben. Aber viel wichtiger ist mir jetzt, was wir hätten anders/besser machen können und wie wir es das nächste Mal handhaben wollen. Und so ist mir etwas sehr Wichtiges aufgefallen – wir gingen völlig planlos an die Sache! Ich war so damit beschäftigt, dass ich alles schön säen wollte, dass ich mir keine Gedanken gemacht habe, wie es auch für den Tiger funktionieren könnte. Das nächste Mal werden wir einfach ein kleines Schüsserl mitnehmen, wo er dann Samen aus der Packung hineinschütten und verteilen darf – und genau so werde auch ich meine Samen verteilen. Ich muss was den Garten betrifft, meinen Perfektionismus unbedingt nach unten schrauben! Es ist unser gemeinsames Projekt und es darf mir nicht so wichtig sein, dass alle Karotten – Samen exakt einen Abstand von 4cm haben oder ob der Tiger einen Samen auf den Gehweg oder in die Wiese pflanzt oder ob er mal auf eine bereits bearbeitete Stelle steigt – nichts macht er mit Absicht oder bösen Hintergedanken, er möchte einfach nur helfen und das so selbstständig wie nur irgendwie möglich.. Beim Säen in den Saatschalen war es mir ja auch nicht so wichtig, dass wirklich in jedem Torfstück exakt ein Samen landet.. Ich muss da unbedingt noch lockerer werden und ihn machen lassen, sonst macht es ihm keinen Spaß und mir ebenso wenig. Ich weiß, dass es so das nächste Mal sicher besser funktionieren wird (es wäre ja auch kein Problem gewesen, die Samen von der Wiese aufzuheben und nochmal zu verteilen) – aber manchmal sieht man eben den Wald vor lauter Bäumen nicht, vor allem, wenn man wütend ist!

Wir haben nicht oft Streit, aber wenn es dazu kommt, mache ich mir immer Gedanken, was denn so schief gelaufen ist und wie ich es das nächste Mal besser machen kann. Noch ist unser Tiger nicht dazu in der Lage, mich bewusst zu ärgern oder bewusst etwas zu machen, das ich nicht möchte. Er möchte einfach ausprobieren und entdecken und die gleichen Möglichkeiten dabei haben wie ich – das halte ich mir immer im Hinterkopf. Mittlerweile gelingt es mir meistens, dass ich mir in vielen Situationen das vom Hinterkopf hervorkrame und ich mich dementsprechend verhalte, doch heute war ich so schnell wütend, dass ich nicht mehr in der Lage war, mich in ihn hinein zu versetzen. Es tut mir unglaublich Leid, wenn ich so wütend bin..

Während ich so am Sofa grüble, stellt sich der Tiger in den Türrahmen und wartet. Ich hab ihm gleich gesagt, dass er herkommen soll und er sprang aufs Sofa, kuschelte sich zu mir und strahlte mich über sein ganzes Gesicht an – also wenn das keine tolle Versöhnung ist! Ich habe anschließend mit ihm darüber gesprochen,mich entschuldigt, ihm in kurzen Worten erklärt, warum ich so wütend war und wie wir es das nächste Mal besser machen können und er hat mich angegrinst und nur gesagt: „Das machen wir!“. Kinder sind einfach unglaublich!